Frau steht barfuß im Bach, öffnet die Arme zur Sonne und verbindet sich mit der Natur – Symbol für innere Klarheit, Lebensvision und Verbundenheit

Unfollow your dreams? Ein Plädoyer für deine Lebensvision

Unfollow your dreams? Ein Plädoyer für deine Lebensvision

„Jeder Mensch braucht einen Leitstern. Etwas, wovon er träumt. Das vielleicht nie so ganz eintreten wird, aber Orientierung in haltlosen Zeiten gibt. Ich glaube, ein jeder findet ihn in seinem Inneren.“

(Zitat aus meinem Buch „Aufbruch ohne Pfefferspray“)

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich vollständig die Orientierung verloren. Ich hatte keine Ahnung mehr, wer ich wirklich bin und wo ich hingehöre.

Eigentlich wusste ich nur noch, was ich nicht mehr will: in endlos langen Meetings sitzen, eine Beziehung, in der ich mich wie im Gefängnis fühlte, Chefs, denen ich nicht vertrauen konnte, Aufgaben, die mir total sinnlos erschienen …

Was mich durch diese Zeit getragen hat, war das Lauschen nach innen und die Frage: Wer bin ich eigentlich wirklich und wie will ich wirklich leben? Diese Frage hatte ich mir bis dahin nie gestellt.

Das war die Schwelle zu meiner Vision eines sinnhaften, natürlichen und selbstbestimmten Lebens. Einer Vision, die mir seitdem Halt, Kraft und Ausrichtung gibt und mich immer wieder aufstehen lässt, wenn es herausfordernd wird.

Frau steht barfuß im Bach, öffnet die Arme zur Sonne und verbindet sich mit der Natur – Symbol für innere Klarheit, Lebensvision und Verbundenheit

Vielleicht berührt mich auch deshalb der neue Trend in den sozialen Medien: In letzter Zeit lese oder höre ich immer wieder: “Unfollow your dreams!”

Befürworter:innen dieser Bewegung glauben, dass Visionen uns etwas vorgaukeln – dass sie uns einem Idealbild hinterherjagen lassen, das vielleicht nie Wirklichkeit wird. Sie sagen: Visionen hindern uns daran, präsent zu sein und dabei das Wichtigste im Leben zu verpassen – den jetzigen Moment.

Ich verstehe die Gedanken – wirklich. Aber für mich ist das nur die halbe Wahrheit. Ich bin überzeugt: Wir brauchen beides. Präsenz im Hier und Jetzt – und eine kraftvolle Vision, für die wir losgehen.

Auch aus Sicht der Forschung ist das kein Widerspruch. Die ACT-Forschung (Akzeptanz- und Commitment-Therapie) geht davon aus, dass mit dem gegenwärtigen Moment in Kontakt zu sein und gleichzeitig in Richtung dessen zu handeln, was uns wirklich wichtig ist, uns hilft, auch inmitten von Unsicherheit, Angst oder innerem Druck verbundener und handlungsfähiger zu bleiben.

Warum eine Vision insbesondere für Frauen wichtig ist

To-do-Listen. Ablenkung. Erwartungen anderer. Insbesondere für uns feinfühlige Frauen ist das ein großes Thema.

Wir spüren genau, was unser Umfeld braucht.
Wenn wir selbst keine kraftvolle Ausrichtung haben, verlieren wir uns schnell in den Fängen unseres Alltags.

Dann sind wir zwar beschäftigt – aber nicht verbunden. Unsere Lebensenergie hat keinen Fokus. Sie zerfließt in alle Richtungen.

Eine Lebensvision bringt Tiefe und Klarheit in unser Handeln.
Sie gibt unserem Leben Halt und Ausrichtung.
Sie hilft uns, dranzubleiben, wenn es schwierig wird.

  • Wie willst du wissen, dass du auf deinem Weg bist, wenn du deine Vision nicht kennst?
  • Wie willst du deinen nächsten Schritt erkennen, wenn du nicht weißt, wohin du gehst?
  • Und wofür sollst du wieder aufstehen, wenn du hingefallen bist?