Sonnenuntergang über dem Meer als Symbol für den Horizont zwischen Leben und Tod. Begleitendes Titelbild zum Blogartikel „Eine heilige Nacht des Abschieds“ über Liebe, Loslassen und den bewussten Umgang mit Abschied.

Abschied und Loslassen: die Nacht, in der mein Vater ging

Sonnenuntergang über dem Meer als Symbol für den Horizont zwischen Leben und Tod. Begleitendes Titelbild zum Blogartikel „Eine heilige Nacht des Abschieds“ über Liebe, Loslassen und den bewussten Umgang mit Abschied.

Eine heilige Nacht

Und dann ließ ich mich ganz intuitiv durch diese Nacht führen. Mal saß ich neben ihm, um seine kräftige Hand zu halten, dann legte ich wieder mein Ohr auf sein Herz, um mich zu vergewissern, dass es wirklich nicht mehr schlug. Er sah so verdammt friedlich aus, als würde er einfach schlafen, und ich bildete mir ein, ihn noch atmen zu sehen. Immer wieder streichelte ich ihm sanft über seine Wangen und roch an seinen Haaren, um den Duft seines Shampoos ganz fest in mir aufzunehmen. Außerdem fand ich noch einen Pullover, der nach ihm roch, und streifte ihn mir über.

In dieser Nacht sprach und schluchzte ich all das aus, was ich ihm noch zu sagen hatte. In tiefer Dankbarkeit verneigte ich mich vor ihm und seinem Lebenswerk – immer wieder, immer tiefer. Ich machte Musik an, und mein Körper begann wie von selbst, sich zu bewegen. Ich holte meine Trommel dazu, tanzte, sang und trommelte für ihn. „Wunder geschehen“ von Nena und „Konfetti“ von Enno Bunger liefen in dieser Nacht immer wieder – rauf und runter.

Zwischendurch legte ich mich auf die Matratze, die ich mit der Hilfe meines Bruders vor dem Kamin platziert hatte, um ein wenig Schlaf zu finden. Doch die Standuhr im Wohnzimmer meiner Eltern erinnerte mich stündlich daran, dass dies eine heilige Nacht war, von der ich nichts verpassen durfte.

Loslassen

Als es am nächsten Morgen zu dämmern begann, spürte ich, dass nur noch sein Körper anwesend war. Ich gab ihm einen letzten, sanften und von purer Liebe erfüllten Kuss auf seine inzwischen blass gewordenen Lippen. Jetzt konnte ich ihn gehen lassen.

Aus tiefstem Herzen danke, Papa, für diese heilige Nacht mit dir. Ich werde sie für immer in meinem Herzen bewahren. Und eines weiß ich jetzt gewiss: Die Liebe ist stärker als alles, was uns je trennen kann.

2 Kommentare zu “Abschied und Loslassen: die Nacht, in der mein Vater ging

  1. Claudia Klein

    Liebe Britta, mit Tränen habe ich „Abschied und Loslassen “ gelesen. Später habe ich Mama den Beitrag vorgelesen. Du hast so passend alle Worte geschrieben und uns mitfühlen lassen. Wir sind unendlich traurig, dass Robert nicht mehr bei uns ist.

    • Liebe Claudia, vielen Dank fürs Teilen und Mitfühlen. Ja, er fehlt sehr. Und gleichzeitig ist er auch immer da – wenn wir über ihn sprechen, weinen, schreiben oder lesen. Liebe Grüße nach Köln.

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